Fabrikgebäude Urbanstraße Berlin
Im dritten Hinterhof der Urbanstraße 67 in Berlin Kreuzberg wurde ein 5-geschossiges Fabrikgebäudes aus dem Jahr 1897 umfassend saniert und umgebaut. Der historische Bau mit Ziegelfassade wurde ursprünglich als Wolle- und Wattefabrik erbaut. Die Konstruktionsmerkmale des unsanierten Bestandes umfassten einen zimmermannsmäßigen Dachstuhl, Ziegeldecken, die denen der Kleinschen Decken ähneln, einen unterkellerten Innenhof mit preußischen Kappen zwischen schmiedeeisernen Trägern, Gussstützen sowie massive Mauerwerkswände.
Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte wurden mehrere Umbauten vorgenommen, so dass sich zuletzt im Erdgeschoss eine Kfz-Werkstatt und in den Obergeschossen Wohnräume befanden. Aufgrund des schlechten baulichen Zustands blieben das Untergeschoss und das Dachgeschoss über einen längeren Zeitraum ungenutzt.
Zu Beginn der Planung standen keinerlei Bestandsunterlagen zum Tragwerk zur Verfügung. Mithilfe der Erstellung eines Programms zur technischen Bestandserkundung sowie Detailaufmaße wurde der Bestand vollumfänglich erfasst. Der Keller und Hofkeller befanden sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Daher erfolgte eine Nachrechnung der Bestandsbauteile unter Berücksichtigung des Schädigungsgrades sowie der Gussstützen nach Käpplein bzw. mittels Lastvergleich.
Das Dachtragwerk wurde aufgrund des schlechten Zustand und der gewünschten Flexibilität in der zukünftigen Raumnutzung durch eine hybride Holz-Stahlkonstruktion ersetzt. Die Bestandsdecken wurden saniert und brandschutztechnisch ertüchtigt. Für die barrierefreie Erschließung erfolgte der Einbau eines neuen Aufzuges. Aus dem Brandschutzkonzept folgend wurde eine neue Fluchttreppe zum UG eingebaut.
Die Decke über dem Untergeschoss wurde bereichsweise tiefergelegt. Aufgrund großer Substanzschäden wurde die Hofunterkellerung in großen Teilen zurückgebaut und bereichsweise neu errichtet. Große neue Öffnungen in der bisherigen Kellerwand in Verbindung mit einem Lichtschacht gewährleisten eine ausreichende Belichtung.
Das Fabrikgebäude wurde um 4 filigrane, frei abgespannte Stahlbalkone mit verdeckter Befestigung an Stahlriegeln auf der Innenseite der Außenwände ergänzt. Im 3. Obergeschoss wurde die Höhe der erforderlichen Absturzsicherungen durch behutsam in die Bestandsfassade eingesetzte Stahlelemente ertüchtigt.
Alle Umbau- und Sanierungsmaßnahmen erfolgten unter laufendem Betrieb. Hierbei waren diverse Bauzustände zu berücksichtigen. Nach den Baumaßnahmen beherbergt das ehemalige Fabrikgebäude heute loftartige Büroetagen sowie ein Fitnessstudio im EG und UG.
FotosInternet Rocket SE
Pläneioo Architekten